Ich weiß, das ist keine vollkommen neue Feststellung oder das Ergebnis aktuellster Forschungen. Aber für mich, als unverbesserliche Optimistin, doch irgendwie immer wieder aufs Neue eine herbe Erfahrung.

Was genau momentan mit meinem Körper los ist, kann mir kein Arzt genau sagen. Ist es schon wieder ein neuer „Schub“, oder doch nur der „Alte“, der sich einfach nicht wieder zurückbilden wollte? Manchmal bekomme ich unglaubliche Wut auf meinen Körper. Ich möchte ihn anschreien, wie man bloß so grenzenlos dumm sein kann, sich immer wieder selbst zerstören zu müssen. Ich möchte ihn fragen, warum er sich das antut, gegen sich selbst zu kämpfen, um dann doch gleichzeitig wieder damit zu beginnen, sich selbst heilen zu wollen.

Und dann verspüre ich plötzlich so etwas wie Mitleid. Ich möchte ihn trösten, ihm eine Hand auf den Rücken legen und sagen: „Das wird schon wieder“. Auch, wenn du ein schwieriges Los gezogen hast, wir packen das zusammen.

Und während ich so im Kopf vor mich hin monologisiere, muss ich unweigerlich zu lächeln beginnen. Als sei ein weiteres Vorurteil von Psychologiestudenten bestätigt – sie führen verrückte Gesprächee mit sich selbst. Doch so lustig das klingt, eigentlich sollten mein Körper und ich doch eine Einheit sein. Wir sollten zusammenarbeiten, an einem Strang ziehen, dasselbe Ziel haben. Wenn ich mir allerdings den Kopf darüber zerbreche, wie das bei mir aussieht, dann stelle ich enttäuscht fest, dass wir leider nicht das Traumpärchen schlechthin sind. Ja, hier findet auch ab- und an mal ein Teamwork statt, aber im Großen und Ganzen macht hier jeder eher sein Ding.

Oder sollte ich vielleicht eher sagen, mein Körper macht sein eigenes Ding? Vor der Erkrankung waren wir einmal ein Ganzes. Keiner konnte ohne den Anderen. Und jetzt? Macht mein Körper sein Soloprogramm. Immer wieder was er will und ich muss notgedrungen mitziehen. Ich muss von außen zuschauen, wie er sich und mich zu Grunde richtet und versuche mit allen restlichen Optimismus-Reserven dagegen zuhalten. Aber manchmal möchte auch ich einfach nur den Kopf in den Sand stecken und warten bis es vorüber ist. Ich möchte mir nicht andauernd ansehen, was bei meinem jungen Körper nicht mehr geht, er aber vor einiger Zeit noch einwandfrei ging. Diese Zeit kommt noch früh genug und wegen mir kann das noch gute 50 Jahre dauern.

Leider muckt er aber momentan herum – und zwar so sehr, dass mal wieder eine Intervention anstand. Also, nichts wie ab zum Doc und eine Runde volltanken. Es hat echt ein wenig Tankstellenfeeling, beim Arzt zu sitzen und intravenös ein paar Fläschchen Cortison einlaufen zu lassen. Gleiches Prinzip wie beim Auto, danach läuft mein Körper auf Hochtouren. Aber leider ist mein Körper ja nicht der Hellste, weshalb ich statt vor Energie zu platzen, eher ein trauriges Häufchen Elend bin. Als Dank dafür, dass ich die Entzündungsreaktionen meines Körpers eindämmen will, versagen mir meine Augen den Dienst, und stellen ihre Arbeit auf das Nötigste ein.

Sprich ein kleiner scharfer Fleck muss reichen. Mein Hirn reiht sinnlose und unzusammenhängende Wörter aneinander und lacht sich sicherlich schlapp, während ich versuche, klar zu denken. Und der Rest meines Körpers, denkt sich pausenlos was Neues aus: heute morgen war mal die gesamte linke Gesichtshälfte taub. Hey, da kommt doch Freude auf. Und dieses wunderbare Gesamtpaket liegt dann den halben Tag reglos herum, weil man nichts damit anfangen kann. Fernsehen gucken geht ja nicht, lesen erst recht nicht und damit fällt auch lernen raus. Blöd, wenn man eigentlich was für die Uni machen will.

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Aber, ich bin ja nicht grundlos eine unverbesserliche Optimistin. Beschäftigung des heutigen Tages: Weihnachtsmusik hören, dabei mit einer Hand den Hund kraulen und Backbücher anschauen. Bilder gucken, kann ich ja noch und die Weihnachtsplätzchen brauchen auch unbedingt mal eine Inspiration, sonst gibt es sie dieses Jahr erst im Februar. Traumhaft, oder? So hat sogar einer der sinnlosesten Tage fast noch einen tieferen Sinn gehabt.