Ich habe lange Zeit überlegt, ob ich diesen Beitrag wirklich schreiben möchte. Zwar hatte ich es in einer Story auf Instagram schon thematisiert, aber diese sind schließlich nur 24 Stunden online und wer uns dort nicht folgt, konnte dies auch nicht sehen. Ich will hier auch nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe ein Anliegen, mit dem ich mich an Euch wende:

Hände weg vom Handy beim Autofahren!

Ich wette, dass jeder Zweite, der das hier liest, sich dabei ertappt fühlt. Ich brauche nur einmal durch die umliegenden Straßen (inklusive Autobahn!!!) zu fahren und sehe zig Leute mit dem Handy in der Hand am Steuer. Und eben nicht nur junge Leute, sondern jeden Alters. Man muss nicht Psychologie studieren, um dort in Kognitionspsychologie zu lernen, dass der Mensch nicht multitaskingfähig ist. Der Mensch kann nicht zwei Dinge gleichzeitig ausführen, ohne dabei Aufmerksamkeitseinbußen und -defizite zu haben. Es tut mir leid, für alle die ich jetzt enttäuschen muss, aber es geht nicht. Und falls ihr trotzdem weiterhin mit dem Handy im Auto rumspielen müsst, dann denkt vielleicht wenigstens an das, was ich euch jetzt erzähle. Es gibt nämlich wirklich nichts, NICHTS! was nicht so lange warten kann, bis man mit dem Auto irgendwo steht. Keine SMS, keine WhatsApp und kein Anruf sind so wichtig, dass man dafür sein eigenes Leben und das anderer riskieren muss!

Es war am 25. Dezember, als ich morgens eine Runde mit dem Hund ins Feld fahren wollte. Ich habe mich schon gefreut, dass Feiertag ist und somit wenig los. Wir waren in einer 30er Zone in einem Wohngebiet unterwegs. Ich habe ja vor bald 1 ½ Jahren den neuen Wolturnus-Alltagsrollstuhl bekommen, aber ich hatte von der Kasse trotzdem den alten Sopur behalten dürfen. Der ist zwar scheiße und quasi immer kaputt aber um damit mit dem Freewheel durch den Matsch ins Feld zu fahren, reichte er noch. So lange ich sehr vorsichtig fuhr und Bürgersteige auch nur langsam hoch und runter, war er nicht nochmal gebrochen.

Tschüss Kevin – Hallo neuer Stuhl!

Wir fuhren also den Gehweg entlang, bis wir auf die Straße ausweichen mussten, weil der gesamte Weg mit Mülltonnen etc. zugestellt war. Aus der Ferne schon sah ich, dass ein Autofahrer riesige Schlangenlinien auf der Straße fuhr. Ich fuhr schnell um die Mülltonnen herum und als ich wieder auf den Gehweg fahren wollte, kam er mir plötzlich auf meiner Fahrspur frontal entgegen. Ich wollte nach rechts ausweichen aber das ging so schnell nicht und riss nur noch den Hund zur Seite, bevor der Autofahrer mich anfuhr.

Warum er mich nicht gesehen hatte? Nun ja, er hatte auf sein Handy geschaut! Und eben nicht nur kurz. Warum er nicht einfach auf der Straße angehalten hat? Ich weiß es nicht, aber er hätte einfach mittig stehen bleiben können, weil es war sowieso nichts los. Ich habe verdammt Glück gehabt, denn mir ist fast nichts passiert. Hätte ich nicht so schnell reagiert, wäre Frieda aber heute nicht mehr unter uns, denn sie hätte er zuerst erwischt.
Glück im Unglück kann man sagen. Denn jetzt fängt das ganze Theater mit der Versicherung an. Mein alter Stuhl ist vollkommen kaputt und so verzogen, dass man ihn nicht mehr reparieren kann. Ich weiß, ich habe wirklich Glück gehabt, aber ich habe jetzt auch wieder den Stress mit der Beantragung und Anpassung eines neuen Stuhls. Ich muss wieder mit der Krankenkasse verhandeln und ärztliche Gutachten einreichen die mich Zeit, Geld und Nerven kosten. Und das alles nur, weil jemand beim Autofahren unbedingt aufs Handy schauen muss. Ehrlich: ich habe den Rollstuhl schon. Ein Upgrade ist gerade einfach nicht drin!