Na? Länger nichts mehr von uns gehört?
Stimmt! Denn der Urlaub von Lukas und Anouk ist um und wir müssen beide wieder arbeiten gehen. Der Lukas ins Studio und die Anouk in die Bibliothek, denn es stehen noch ein paar Klausuren an und es wird höchste Zeit mal wieder mit dem Lernen anzufangen.

Ja und sonst so?
Genießen wir den Spätsommer! Das Wetter ist wunderbar und es gibt doch nichts schöneres, als sich bei diesen Temperaturen das Handtuch zu schnappen und ab ins Freibad zu düsen.

Ja, eigentlich war ich mehr so ein Fan von Badeseen. Den Picknickkorb packen, sich den Hund schnappen und dann ein paar Stunden an den See legen. Nun ja, aber Badeseen sind leider nicht so zugänglich für Rollstuhlfahrer. Obendrein mit dem Stuhl irgendwie in den See zu kommen, bevor der Stuhl mit unter geht oder im Schlamm versinkt, eher schwierig. Außerdem ist in Seen ja nichts zum festhalten und so lange reicht meine Armkraft jetzt auch nicht. Also doch lieber ins Freibad.

Schon öfter wurde ich gefragt: „Mit dem Rollstuhl ins Freibad (das nicht mal barrierefrei ist), das geht?“ Ja!
Ich muss zugeben, es ist ein wenig abenteuerlich. Durch den Haupteingang kann ich nicht rein, weil danach kommt eine monstermäßige Treppe. Deshalb nehmen meine Freunde und ich immer den Lieferanteneingang. Ja, es gibt auch definitv schöneres, als gekippt über die riesige Liegewiese zu fahren und dabei aufzupassen, nicht noch kleine Kinder umzufahren. Aber es gibt auch überall was zu meckern. Und da kein barrierefreies Freibad bei uns in der Nähe ist und ich sowieso dorthin will, wo alle meine Freunde sind, nehme ich dieses „Übel“ doch gerne in Kauf.
Mir wird sogar extra ein Törchen aufgeschlossen, sodass ich bis ans Wasser fahren kann. Tja und dann heißt es Füße vom Fußbrett kicken und sich auf den Boden plumpsen lassen. Um wieder in den Stuhl zu kommen, brauche ich dann zwar die Hilfe von meinen Freunden, aber die sind ja zum Glück immer dabei und wir amüsieren uns über die anderen Leute. Denn die Blicke der anderen Badegäste sind zum schreien!
„Nicht laufen können und schwimmen – das geht?“ „Wie macht sie das denn jetzt? Die geht doch gleich unter!“ Genau das habe ich schon oft gehört. Mich wollten auch schon einige retten, nur weil ich mal untergetaucht bin. Unglaublich aber wahr, ich habe zwei Arme mit denen ich sogar schwimmen kann. Ganz ohne unter zu gehen.

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Ich finde es gibt kaum etwas schöneres, als vollkommen überhitzt von der Sonne ins kalte Wasser einzutauchen und dabei zu spüren, wie das Wasser ganz langsam die Kopfhaut umspült. Dann unterzutauchen und vollkommen frei und schwerelos zu sein. Nichts was daran erinnert, dass die Beine mich nicht mehr tragen wollen. Ich tauche an die Oberfläche, drehe mich langsam auf den Rücken, breite die Arme aus und bleibe auf der Wasseroberfläche liegen. Meine Beine erinnern ein wenig an Treibholz. Sie schwimmen fast immer oben und ich kann ganz entspannt ein paar Runden im Wasser drehen. Es sei denn, meine Beine beschließen, dass sie mal wieder Aufmerksamkeit brauchen und zucken so wunderbar spastisch herum, dass ich mich lieber wieder an den Beckenrand lege.

Aber es ist nicht alles schlecht und man muss auch mal die Vorteile des Rollstuhldaseins erwähen:

1. Wenn das Wasser noch so angenehme 20° hat und meine Freunde nicht mal die große Zehe eintauchen wollen, weil sie sich sicher sind gleich zu erfrieren, setze ich mich an den Beckenrand und tauche gemütlich die Beine ins Wasser. Es kann auch durchaus praktisch sein, wenn man das mal nicht spürt.

2. Alle Frauen und Mädchen wissen sofort wovon ich rede: die Wahl des Bikinis. Beim Kauf eines Bikinis, lassen sich diese prinzipiell in zwei Gruppen einteilen. Der wunderschöne, mit noch weniger Stoff, wahlweise Perlen oder Pailletten, der einfach super aussieht. Eigentlich aber auch nur zum Sonnenbaden geeignet ist, weil er der Benutzung im Wasser einfach nicht stand hält. Und es gibt den Praktischen, der super sitzt und mit dem man auch ohne Probleme mal den dreifachen Salto vom Sprungturm machen kann. Taucht man aus dem Wasser auf, erfüllt er noch brav seinen Zweck und bedeckt all das, was er bedecken soll. Nun und da das mit dem Salto und der doppelten Schraube eh nicht so mein Ding ist und ich auch den Kopfsprung vom Startblock mal auf Eis gelegt habe, bin ich bei der Wahl meiner Badebekleidung viel uneingeschränkter.

3. Barfußlaufen. Wahrscheinlich hört fast jeder im Hinterkopf die Stimme seiner Mutter, die ruft: „Zieh dir Schuhe an, wenn du über die Wiese läufst. Hier sind überall Bienen und Wespen.“ Ja und wie man als Kind so ist, macht man das natürlich nicht. Warum sollte man auch irgendwo reintreten, man kann ja gucken. Bis man plötzlich mal nicht hinschaut und … Hat doch sicher fast jeder schon mal erlebt – auch ich. Aber das passiert mir nicht mehr! Es kann also auch wirklich mal ganz praktisch sein, durchs Leben zu rollen.

Also, wenn ihr mal wieder ein paar Tage nichts von uns hört, dann sind wir entweder am arbeiten, oder (viel wahrscheinlicher) genießen das Leben. Wir hoffen, ihr auch.