Kennt ihr das, wenn ihr morgens aufwacht, eure Beine aus dem Bett schwingen wollt und plötzlich merkt, dass das gar nicht geht?

Nein?
Gut, dann kann ich auch sagen, dass das ein ganz schön beschissenes Gefühl ist.

Seitdem ich im Rollstuhl sitze, träume ich fast jede Nacht, dass ich noch laufen kann. Und das Merkwürdige ist, dass es mich im Traum nicht einmal wundert. Manchmal fahre ich mit dem Rollstuhl im Traum umher. Z.B. träume ich, dass ich im Sommerurlaub am Mittelmeer bin. Dann fahre ich mit dem Rolli durch die Straßen bis an den Strand – und, was im realen Leben wirklich problematisch werden würde, im Traum stelle ich den Rollstuhl einfach ab und laufe zu Fuß bis ans Wasser. Oder ich steige auf einen Berg, mache ein Wettrennen, fahre Fahrrad. All solche Dinge und nie bin ich im Traum verwundert, dass ich das kann. Im Traum ist alles möglich. Doch dann kommt der schlimme Moment des Erwachens: wenn dir knallhart vor Augen geführt wird, dass wirklich alles nur ein Traum war und nicht andersherum, das Leben im Rollstuhl nur ein Traum ist.

Als ich diesen Traum das erste Mal hatte, konnte ich meine Tränen beim Aufwachen nicht zurückhalten und vergrub mein Gesicht schluchzend, vor innerlichem Schmerz, in mein Kopfkissen. Heute tut es nicht mehr wirklich weh, aber schön ist es auch nicht. Wobei, wunderschön ist es im Traum, weil es sich so leicht und unbeschwert anfühlt. Nur beim Aufwachen, wenn ich es erst zu spät realisiere, finde ich es unlustig.

Ich habe von vielen Rollstuhlfahrern gehört, die noch nicht von der frühen Kindheit an im Rollstuhl sitzen, dass das nie aufhört. Irgendwie schrecklich und gleichzeitig schön, dass ich im Kopf nie aufhören werde zu laufen und zu träumen!